Wege aus dem Burn-Out


In der Ruhe liegt die Kraft

erschienen im Port01 / Januar 2010

Bernd Monecke ist seit 1994 Heilpraktiker. Er betreibt im Prenzlauer Berg die Praxis im Bambusgarten und hat seine Behandlungsschwerpunkte auf die Bereiche ursächliche Schmerztherapie, Depressionen, Burnout-Syndrom, Psychosomatik und Süchte gelegt. In seiner Praxis nutzt er unter anderem die Methoden der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), der Akupunktur und des Shiatsu, um seinen Patienten zu helfen. Wir haben mit Herrn Monecke über das immer häufiger auch bei jungen Menschen auftretende Burnout-Syndrom gesprochen und vieles Interessantes aus der Sicht eines Gesundheits-Coaches erfahren.

Herr Monecke was versteht man unter dem Burnout-Syndrom?

Zunächst einmal gibt es dafür keine allgemeingültige Definition, aber im Großen und Ganzen geht alles in eine Richtung. Die Betroffenen fühlen sich ausgebrannt. Sie sind geistig, emotional und körperlich erschöpft. Dies wird  in unterschiedliche Stufen gegliedert, je nach dem Schweregrad, der Symptomatik. Die Betroffenen  verausgaben sich oft so sehr, dass es nicht selten zu einem Totalzusammenbruch kommt. Das erste Mal geprägt wurde der Begriff  „Burnout“ 1974 von dem österreichischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Ihm ist aufgefallen, dass vor allem Personen aus den helfenden Berufen sich öfter krank schreiben lassen als Menschen aus anderen Berufsgruppen.    

Woran kann man denn erkennen, ob jemand am Burnout-Syndrom leidet?

Da gibt es unterschiedliche Symptome, die darauf hinweisen können, beispielsweise  Konzentrationsstörungen, Verdauungsbeschwerden, Stoffwechselprobleme, aber auch ständige Müdigkeit, Schlafstörungen, Nervosität oder innere Unruhe, ebenso wie Depressionen, Niedergeschlagenheit, Schwitzen, Kreislaufbeschwerden und bei vielen auch Tinnitus.

Wenn einige dieser Symptome gekoppelt mit einer Burnout-typischen Persönlichkeitsstruktur  über einen längeren Zeitraum auftreten, dann ist es wahrscheinlich, dass der Betroffene am Burnout-Syndrom erkrankt ist.

Welcher Typ Mensch ist denn besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Leute, die ein Helfersyndrom haben, sich schwer abgrenzen können. Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen, Menschen die zuviel Verantwortung auf sich nehmen, sowie die Perfektionisten, die alles 150prozentig machen müssen und Workaholics. Aber auch Personen, die sich in ihrer Freizeit zu viel aufladen, können erkranken. Dies sind Menschen, die zu stark nach außen orientiert sind, angefangen beim ständigen Freunde treffen bis hin zum Besuch von unzähligen Sportkursen und Kulturveranstaltungen.
Die betroffenen Berufsgruppen sind vor allem Menschen in helfenden Berufen wie Ärzte, Krankenpfleger, auch Anwälte und Lehrer. Dann natürlich viele Selbstständige, und leider steigt auch die Anzahl der erkrankten Studenten und Auszubildenden  immer weiter, da dort immer höhere Leistungen abverlangt werden und der Konkurrenzdruck immer stärker wird.

Worin sehen Sie die Ursachen für das immer häufigere Auftreten des Syndroms?

Die Vermehrung des Problems ist definitiv in unserer heutigen Leistungsgesellschaft begründet. Die Menschen arbeiten immer mehr, verdienen aber immer weniger. Hinzu kommen der hohe Arbeitsdruck und der starke Zeitdruck dem viele ausgesetzt sind. Dabei schaut man mit einem Auge immer auf die Konkurrenz, sei es im eigenem Unternehmen oder außerhalb. Auch das Thema Mobbing spielt hierbei eine tragende Rolle. Außerdem fördern viele Arbeitsplätze an sich die Entstehung der Krankheit. Es gibt immer mehr Großraumbüros mit einer enormen Lärm- und Reizüberflutung und wenig Platz für die eigene Entfaltung. Das sind die negativen Aspekte unserer kapitalistischen Industriegesellschaft. Aber auch der Einfluss der Medien ist nicht zu unterschätzen. Heute sind alle jederzeit durch das Handy erreichbar und checken dazu stündlich ihre Mails. Wir werden durch Radio, Fernsehen, Zeitungen und das Internet ständig mit Informationen versorgt. So kommt es zu einer Reizüberflutung, die dann permanent die geistig-emotionale Ebene des Menschen überfordert und irgendwann auch zu körperlichen Symptomen führt…

Worin liegt nun der Unterschied ihrer Behandlung zu der in der klassischen Schulmedizin üblichen ?

Die Ansätze der Behandlung sind unterschiedlich. In der Schulmedizin wird die Krankheit meist mit allopathischen Medikamenten behandelt. Das heißt die Patienten bekommen Mittel wie zum Beispiel Antidepressiva oder andere allopathische Medikamente, die zwar die jeweiligen Symptome behandeln, welche sich dann oft verbessern, aber leider oft zu Nebenwirkungen führen. Und wenn der Patient die Medikamente absetzt, er aber wegen mangelnder Unterstützung an den Ursachen nichts ändern konnte, dann stellen sich die Symptome meist schnell wieder ein. Selbst wenn die Patienten das Glück haben und ein Psychotherapeut in die Behandlung miteinbezogen wird, findet der konstruktive Austausch zwischen ihm und dem behandelnden Arzt, aufgrund von Zeitmangel und der Strukturen des heutigen Gesundheitssystems meist zu wenig statt. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel.

In meinen Behandlungen ist der Ansatz ein anderer. Ich möchte von Anfang an den auslösenden Problemen auf den Grund gehen. Deswegen steht bei mir die Ursachenforschung mit an erster Stelle. In einer ausführlichen Anamnese versuche ich die ganzheitliche Sicht auf die Probleme des Menschen zu gewinnen. Das heißt: Ich beziehe nicht nur die aktuellen sozialen Bedingungen und Belastungen mit ein, sondern schaue mir auch die Vergangenheit des Patienten an und versuche, dort erlernte negative Verhaltensmuster bewusst zu machen.

Ich unterstütze den Patienten darin, die Ursachen für seine Probleme selbst zu erkennen, und motiviere ihn, geeignete Maßnahmen und Veränderungen zur Gesundung im Alltag umzusetzen. 

Natürlich behandle ich auch die körperlichen Symptome. Dabei wende ich in der Haupttherapie die traditionelle chinesische Medizin an. Akupunktur, Shiatsu und Reiki wirken in diesem Zusammenhang sehr gut. Meist ergänze ich diese Behandlung durch die Verwendung individuell zusammengestellter Heiltees und Schüssler-Salzen, die von innen die eigenen Kräfte wieder stärken.
Auch eine individuelle Ernährungsberatung ist Teil der Therapie. Da können selbst kleine Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten schon sehr viel bewirken. Und die gute Nachricht ist, dass das was individuell gesund ist, auch immer schmeckt. Wichtig hierbei ist, sich genügend Zeit und Ruhe für das Essen zu nehmen, also ohne Zeitdruck zu genießen!
Des Weiteren empfehle ich u.a. Qigong, Meditationsübungen, autogenes Training sowie Yoga für die körperliche Selbstwahrnehmung und die innere Ruhe der Betroffenen. Leichte  Sportarten ohne Druck können sinnvoll sein wie z.B. Schwimmen, Trampolinspringen und Tanzen. Auch die Förderung der eigenen Kreativität, z.B durch Malen oder Musizieren, ist wichtig.

Zusammengefasst ist es mein Ziel, die Betroffenen in ein anderes Fahrwasser zu bringen und sie auf dem Weg dorthin mit dem Gesundheits-Coaching und den passende Heilanwendungen zu unterstützen.

Wie lange dauert eine solche Behandlung?

Ich empfehle acht bis zwölf Sitzungen, das ist dann ungefähr ein Zeitraum von drei Monaten.
Danach sind die meisten Patienten schon soweit stabilisiert, dass sie ihren Alltag wieder alleine meistern können. In besonders schweren Fällen dauert die Behandlung länger, und manchmal empfehle ich den Betroffenen dann zunächst den stationären Aufenthalt in spezialisierten Kliniken.

Was kann man persönlich tun um sich vor dem Burnout zu schützen?

Mein Tipp ist ein strukturierter Tagesplan, der auch Zeit für unvorhergesehene Dinge und ausreichende Pausen lässt. Wichtig sind auch Zeiträume, in denen man sich überhaupt nichts vornimmt. Gut ist es, wenn man sich morgens eine halbe Stunde Zeit für sich nimmt, um sich auf sich selbst auszurichten und die Selbstwahrnehmung und Entspannung zu fördern. Da sind dann auch z.B. Qi Gong , Reiki oder Yoga sehr hilfreich.
Die drei festen Essenspausen sollten ausreichend lang und regelmäßig sein. Des Weiteren ist ein ruhiger Schlaf essentiell für eine entspannte Lebensweise, daher sollte man am Abend auf eine ruhige Umgebung achten und keine elektronischen Geräte um das Bett stellen.
Das Wichtigste ist in jedem Fall, die Selbstwahrnehmung zu stärken, den Alltag zu entschleunigen und die Balance zwischen Aktivität und Entspannung wieder zu erlernen.