Das Wasser-Element. Die Quelle von Mut und Lebensenergie


Von Bernd Monecke
Erschienen in KGS Ausgabe November 2014

Dem Wasserelement sind in der TCM die Angst, der Mut und die Willenskraft zugeordnet. Sein Hauptorgan ist die Niere, ihr Partnerorgan die Blase. Aus der Nierenenergie entspringt die Kraft aller anderen Organe. Der Heilpraktiker Bernd Monecke beschreibt, wie wir über das Wasserelement Selbstbewusstsein und Willenskraft stärken können.

Wasser fließt mit seiner sanften und zugleich starken Kraft nach unten. Es speichert Nährstoffe und Temperatur. Das sind alles auch Eigenschaften, die in der TCM den Nieren zugeordnet werden: Die Yin-Niere speichert die Ursprungsenergie, die von den Eltern vererbte Lebensessenz. Die Yang-Niere wiederum bildet die Grundlage der Wärme und der Aktivität des ganzen Körpers.
Eine Besonderheit der Elemente-Lehre ist, dass sie unsere Körperfunktionen in Bezug zu den Naturkreisläufen setzt. Wie die Natur auch hat jedes Organ bestimmte Hochphasen mit größerer Aktivität und bestimmte Ruhephasen. Der Winter ist die Wandlungsphase des Wasserelements. Jetzt ist es lebenswichtig, die Energie zu bewahren und damit zu haushalten, sich buchstäblich mehr in die warme Behausung zurückzuziehen.
Die Tiere haben im Herbst gut vorgesorgt, ihre Vorräte angelegt oder mehr gegessen, um Energie im Körper zu speichern und damit über den kalten, kräftezehrenden Winter zu kommen. Wir Menschen tun gut daran, uns wie die alten Daoisten ein Beispiel an den Tieren und der Natur zu nehmen. Wenn wir im Winter weiter wie im Sommer spät ins Bett gehen, früh aufstehen, und mit vielen Aktivitäten unterwegs sind, besteht die Gefahr, dass wir uns schnell verausgaben und krank werden. Gerade wenn wir unsere Lebensmitte bereits überschritten haben, ist dies zu beachten - denn dann ist ein Teil unserer Nierenessenz schon verbraucht, und wir müssen damit besser haushalten.

Stress und Angst gehen an die Nieren

Was die Nierenenergie besonders schwächt, ist zuviel Stress, wenig Schlaf und ein unregelmäßiger Lebensstil. Auch Dauerlärm, zu leichte Kleidung, schlechte Ernährung und natürlich Drogen schaden den Nieren. Neben diesen äußeren Einflüssen sind es aber vor allem bewusste oder unbewusste Ängste, die die Nieren schwächen. „Nierentypen“ fehlt es an Grundvertrauen - in den eigenen Körper, in die eigenen Fähigkeiten und in ihre Persönlichkeit. Sie haben Angst, „nicht gut genug zu sein“ und verstricken sich in ein Labyrinth aus Ansprüchen, Regeln und Verpflichtungen. Klassische Beispiele sind die mehrfach belastete Mutter, die neben ihrem Job noch Kinder und Beziehung händelt, aber auch ALG-II-Empfänger, die mit dem Existenzminimum und gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen ringen.

„Die drei Monde des Winters sind die Zeitder Sammlung und Bewahrung...Nun ist von Nutzen: Früh zu Bett und spät sich zu erheben,mit der Sonne aufzustehen,die Gefühle innen zu hütenund Ruhe zu bewahren."
Aus: „Die Medizin des Gelben Kaisers“ von Huang Di

Oft mischen sich Existenzängste mit dem Gefühl, den Boden zu verlieren, und dem Leben einfach nicht mehr gewachsen zu sein. Solche Momente kennen wir sicherlich alle. Klassische Nierentypen neigen aber dazu, diese tief verwurzelten Ängste mit Überaktivität und übertriebenem Ehrgeiz zu überspielen und sich dadurch noch mehr zu verausgaben. Wird dieses Muster zu lange beibehalten, kann das irgendwann zu einer totalen Erschöpfung bis hin zum Burnout und Depressionen führen.

Anzeichen einer Nierenschwäche

Spätestens in dieser Phase zeigen sich dann auch körperliche Symptome: Bei einem Nieren Yang-Mangel sind dies typischerweise kalte Hände und Füße, zu häufiges Wasserlassen, Kälte und Schmerzen im unteren Rücken. Menschen mit einem Nieren Yin-Mangel klagen meist über Erschöpfung und extreme Müdigkeit, Schlaf- und Denkstörungen, Tinnitus, und Potenzstörungen. Sie haben häufig schlechte Zähne und weiche Knochen sowie Haarausfall.
Auch chronische Nierenkrankheiten können sich entwickeln. Schwächen in der Niere können sich auch in einer Blasenschwäche äußern. Die Blase hat die Aufgabe, die verbrauchten Flüssigkeiten des Körpers auszuscheiden. Sie verwaltet die täglich benötigte Basisenergie. Ist davon zu wenig vorhanden, kann dies zu Rückenschmerzen führen, weil der Blasenmeridian am Rücken verläuft. Auch mit unserer Anpassungsfähigkeit und der Willenskraft steht die Blase in Verbindung - also auch im übertragenen Sinn mit der Frage, ob wir für uns „gerade stehen“ ohne starr zu sein.

Tipps zur Selbsthilfe

Patienten mit Nierenschwäche empfehle ich einen regelmäßigen Tagesablauf mit ausgewogenen Aktivitäts- und Ruhephasen. Auch ein langer, erholsamer Schlaf und lange gekochte Hühnersuppen mit speziellen Kräutern und Gemüsesorten stärken die Nieren. Besonders im Winter sind abendliche warme Fußbäder mit einer zerkleinerten Ingwerknolle (circa 15 Minuten bei 50 Grad Celsius) zu empfehlen. Bei Rückenschmerzen, denen eine Nierenschwäche zugrunde liegt, kann neben Akupunktur und Akupressur auch eine spezielle Wärmebehandlung des Blasenmeridians mit Chinesischem Moxakraut helfen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden die Symptome und die Ursachen dahinter immer gleichzeitig mitbehandelt.
Besonders bei Kindern ist es wichtig, von Beginn an viel Grundvertrauen und Geborgenheit mitzugeben, damit sich Angstmuster gar nicht erst so leicht entwickeln können. Menschen mit einer starken Nierenenergie handeln aus ihrer inneren Kraft und sind im Selbstvertrauen. Sie haben einen starken Willen und lassen sich nicht von Herausforderungen abschrecken. Gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung für sich und andere, ohne sich zu überfordern.

Wasserelemente Abend: 17. Januar 2019 19:30-21:30 Uhr in der Praxis im Bambusgarten, Kosten: 20 €, Anmeldung erbeten.