Zeitschriftenartikel von Bernd Monecke
Wege aus dem Burn-Out
In der Ruhe liegt die Kraft
erschienen im Port01 / Januar 2010
Bernd Monecke ist seit 1994 Heilpraktiker. Er betreibt im Prenzlauer Berg die Praxis im Bambusgarten und hat seine Behandlungsschwerpunkte auf die Bereiche ursächliche Schmerztherapie, Depressionen, Burnout-Syndrom, Psychosomatik und Süchte gelegt. In seiner Praxis nutzt er unter anderem die Methoden der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), der Akupunktur und des Shiatsu, um seinen Patienten zu helfen. Wir haben mit Herrn Monecke über das immer häufiger auch bei jungen Menschen auftretende Burnout-Syndrom gesprochen und vieles Interessantes aus der Sicht eines Gesundheits-Coaches erfahren.
Herr Monecke was versteht man unter dem Burnout-Syndrom?
Zunächst einmal gibt es dafür keine allgemeingültige Definition, aber im Großen und Ganzen geht alles in eine Richtung. Die Betroffenen fühlen sich ausgebrannt. Sie sind geistig, emotional und körperlich erschöpft. Dies wird in unterschiedliche Stufen gegliedert, je nach dem Schweregrad, der Symptomatik. Die Betroffenen verausgaben sich oft so sehr, dass es nicht selten zu einem Totalzusammenbruch kommt. Das erste Mal geprägt wurde der Begriff „Burnout“ 1974 von dem österreichischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Ihm ist aufgefallen, dass vor allem Personen aus den helfenden Berufen sich öfter krank schreiben lassen als Menschen aus anderen Berufsgruppen.
Woran kann man denn erkennen, ob jemand am Burnout-Syndrom leidet?
Da gibt es unterschiedliche Symptome, die darauf hinweisen können, beispielsweise Konzentrationsstörungen, Verdauungsbeschwerden, Stoffwechselprobleme, aber auch ständige Müdigkeit, Schlafstörungen, Nervosität oder innere Unruhe, ebenso wie Depressionen, Niedergeschlagenheit, Schwitzen, Kreislaufbeschwerden und bei vielen auch Tinnitus.
Wenn einige dieser Symptome gekoppelt mit einer Burnout-typischen Persönlichkeitsstruktur über einen längeren Zeitraum auftreten, dann ist es wahrscheinlich, dass der Betroffene am Burnout-Syndrom erkrankt ist.
Welcher Typ Mensch ist denn besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind Leute, die ein Helfersyndrom haben, sich schwer abgrenzen können. Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen, Menschen die zuviel Verantwortung auf sich nehmen, sowie die Perfektionisten, die alles 150prozentig machen müssen und Workaholics. Aber auch Personen, die sich in ihrer Freizeit zu viel aufladen, können erkranken. Dies sind Menschen, die zu stark nach außen orientiert sind, angefangen beim ständigen Freunde treffen bis hin zum Besuch von unzähligen Sportkursen und Kulturveranstaltungen.
Die betroffenen Berufsgruppen sind vor allem Menschen in helfenden Berufen wie Ärzte, Krankenpfleger, auch Anwälte und Lehrer. Dann natürlich viele Selbstständige, und leider steigt auch die Anzahl der erkrankten Studenten und Auszubildenden immer weiter, da dort immer höhere Leistungen abverlangt werden und der Konkurrenzdruck immer stärker wird.
Worin sehen Sie die Ursachen für das immer häufigere Auftreten des Syndroms?
Die Vermehrung des Problems ist definitiv in unserer heutigen Leistungsgesellschaft begründet. Die Menschen arbeiten immer mehr, verdienen aber immer weniger. Hinzu kommen der hohe Arbeitsdruck und der starke Zeitdruck dem viele ausgesetzt sind. Dabei schaut man mit einem Auge immer auf die Konkurrenz, sei es im eigenem Unternehmen oder außerhalb. Auch das Thema Mobbing spielt hierbei eine tragende Rolle. Außerdem fördern viele Arbeitsplätze an sich die Entstehung der Krankheit. Es gibt immer mehr Großraumbüros mit einer enormen Lärm- und Reizüberflutung und wenig Platz für die eigene Entfaltung. Das sind die negativen Aspekte unserer kapitalistischen Industriegesellschaft. Aber auch der Einfluss der Medien ist nicht zu unterschätzen. Heute sind alle jederzeit durch das Handy erreichbar und checken dazu stündlich ihre Mails. Wir werden durch Radio, Fernsehen, Zeitungen und das Internet ständig mit Informationen versorgt. So kommt es zu einer Reizüberflutung, die dann permanent die geistig-emotionale Ebene des Menschen überfordert und irgendwann auch zu körperlichen Symptomen führt…
Worin liegt nun der Unterschied ihrer Behandlung zu der in der klassischen Schulmedizin üblichen ?
Die Ansätze der Behandlung sind unterschiedlich. In der Schulmedizin wird die Krankheit meist mit allopathischen Medikamenten behandelt. Das heißt die Patienten bekommen Mittel wie zum Beispiel Antidepressiva oder andere allopathische Medikamente, die zwar die jeweiligen Symptome behandeln, welche sich dann oft verbessern, aber leider oft zu Nebenwirkungen führen. Und wenn der Patient die Medikamente absetzt, er aber wegen mangelnder Unterstützung an den Ursachen nichts ändern konnte, dann stellen sich die Symptome meist schnell wieder ein. Selbst wenn die Patienten das Glück haben und ein Psychotherapeut in die Behandlung miteinbezogen wird, findet der konstruktive Austausch zwischen ihm und dem behandelnden Arzt, aufgrund von Zeitmangel und der Strukturen des heutigen Gesundheitssystems meist zu wenig statt. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel.
In meinen Behandlungen ist der Ansatz ein anderer. Ich möchte von Anfang an den auslösenden Problemen auf den Grund gehen. Deswegen steht bei mir die Ursachenforschung mit an erster Stelle. In einer ausführlichen Anamnese versuche ich die ganzheitliche Sicht auf die Probleme des Menschen zu gewinnen. Das heißt: Ich beziehe nicht nur die aktuellen sozialen Bedingungen und Belastungen mit ein, sondern schaue mir auch die Vergangenheit des Patienten an und versuche, dort erlernte negative Verhaltensmuster bewusst zu machen.
Ich unterstütze den Patienten darin, die Ursachen für seine Probleme selbst zu erkennen, und motiviere ihn, geeignete Maßnahmen und Veränderungen zur Gesundung im Alltag umzusetzen.
Natürlich behandle ich auch die körperlichen Symptome. Dabei wende ich in der Haupttherapie die traditionelle chinesische Medizin an. Akupunktur, Shiatsu und Reiki wirken in diesem Zusammenhang sehr gut. Meist ergänze ich diese Behandlung durch die Verwendung individuell zusammengestellter Heiltees und Schüssler-Salzen, die von innen die eigenen Kräfte wieder stärken.
Auch eine individuelle Ernährungsberatung ist Teil der Therapie. Da können selbst kleine Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten schon sehr viel bewirken. Und die gute Nachricht ist, dass das was individuell gesund ist, auch immer schmeckt. Wichtig hierbei ist, sich genügend Zeit und Ruhe für das Essen zu nehmen, also ohne Zeitdruck zu genießen!
Des Weiteren empfehle ich u.a. Qigong, Meditationsübungen, autogenes Training sowie Yoga für die körperliche Selbstwahrnehmung und die innere Ruhe der Betroffenen. Leichte Sportarten ohne Druck können sinnvoll sein wie z.B. Schwimmen, Trampolinspringen und Tanzen. Auch die Förderung der eigenen Kreativität, z.B durch Malen oder Musizieren, ist wichtig.
Zusammengefasst ist es mein Ziel, die Betroffenen in ein anderes Fahrwasser zu bringen und sie auf dem Weg dorthin mit dem Gesundheits-Coaching und den passende Heilanwendungen zu unterstützen.
Wie lange dauert eine solche Behandlung?
Ich empfehle acht bis zwölf Sitzungen, das ist dann ungefähr ein Zeitraum von drei Monaten.
Danach sind die meisten Patienten schon soweit stabilisiert, dass sie ihren Alltag wieder alleine meistern können. In besonders schweren Fällen dauert die Behandlung länger, und manchmal empfehle ich den Betroffenen dann zunächst den stationären Aufenthalt in spezialisierten Kliniken.
Was kann man persönlich tun um sich vor dem Burnout zu schützen?
Mein Tipp ist ein strukturierter Tagesplan, der auch Zeit für unvorhergesehene Dinge und ausreichende Pausen lässt. Wichtig sind auch Zeiträume, in denen man sich überhaupt nichts vornimmt. Gut ist es, wenn man sich morgens eine halbe Stunde Zeit für sich nimmt, um sich auf sich selbst auszurichten und die Selbstwahrnehmung und Entspannung zu fördern. Da sind dann auch z.B. Qi Gong , Reiki oder Yoga sehr hilfreich.
Die drei festen Essenspausen sollten ausreichend lang und regelmäßig sein. Des Weiteren ist ein ruhiger Schlaf essentiell für eine entspannte Lebensweise, daher sollte man am Abend auf eine ruhige Umgebung achten und keine elektronischen Geräte um das Bett stellen.
Das Wichtigste ist in jedem Fall, die Selbstwahrnehmung zu stärken, den Alltag zu entschleunigen und die Balance zwischen Aktivität und Entspannung wieder zu erlernen.
Die Traditionelle Chinesische Medizin
Erschienen in KGS Ausgabe Oktober 2007
Elemente der Traditionellen Chinesischen Medizin haben sich auch im Westen etabliert, wobei hier vor allem die Akupunktur verbreitet ist. Wir stellen die fünf Säulen der Behandlung und die beiden zugrundeliegenden Prinzipien kurz vor.
Unter dem Begriff "Traditionelle Chinesische Medizin" werden die Heilkünste zusammengefasst, die in China vor Jahrtausenden begründet und über die Jahrhunderte hinweg weiterentwickelt wurden. Die TCM kennt fünf Säulen der Behandlung, wovon vier Behandlungen von außen stattfinden. Dabei wird entweder durch Akupunktur bzw. Moxibustion oder Tuina-Massage oder Phytotherapie und Ernährung versucht, ein Gleichgewicht herbeizuführen. Die fünfte Säule steht für die aktive Bewegungslehre wie z.B. Taijiquan, Yoga oder Qigong. Alle Säulen beruhen auf den Prinzipien des Qi, der Lebensenergie und Lebensessenz, und der Polarität von Yin und Yang.
Qi (Chi, Che)
Qi ist das zentrale Konzept der traditioneller chinesischer Wissenschaften. Qi kann "Atem", "Luft", "Dampf", "Gas", "Wetter", aber auch "Art und Weise einer Sache", "Veranlagung", "Temperament", "Kraft" oder "lebensspendendes Prinzip", "Einflüsse" oder "materielle Kraft" bedeuten. Im Feng Shui bedeutet Qi "Lebenskraft", "Blut der Erde", "Wirkung von Formen und Situationen" und "klimatische Einwirkungen". Qi ist in der Lage sich zu sammeln und zu verstreuen, und trübe oder klare Zustände anzunehmen aber auch zu verstopfen und abzufließen. Der direkte Ausdruck des Qi in Feng Shui ist das Wasser als das Blut der Erde und alle klimatischen Ereignisse. Nach der chinesischen Auffassung ist der "Wind" eine Bewegung des Qi in der Landschaft, wohingegen Emotionen eine Bewegung des Qi im menschlichen Körper sind. Der Gesichtsausdruck des Menschen ist ebenso eine direkte Ausformung des Qi sowie auch der Pulsschlag ein Anzeichen für bewegtes Qi ist. Innerhalb der chinesischen Medizin ist Qi der Mittler zwischen Körper und Geist.
Yin und Yang
Der Begriff Yin und Yang bezeichnet zusammengenommen das Taiji (Tai-chi). In den chinesischen Klassikern werden Yin und Yang als die 2 Qi bezeichnet. Das Bild des Schriftzeichens Yin bedeutet die Schattenseite eines Berges. Yin steht für das weibliche Prinzip, Weiches, Unbewegheit, Ruhe, Dunkelheit, Kälte, Feuchtigkeit, Nachgiebiges, Aufnehmendes, die Wandlungsphasen Metall und Wasser, den inneren Aspekten eines Dinges, die Erde und Materielles. Das Bild des Schriftzeichens Yang bedeutet die Sonnenseite eines Berges. Yang steht für das männliche Prinzip, Hartes, Bewegtes, Agierendes, Helligkeit, Hitze, Trockenheit, Drängendes, Gebendes, die Wandlungsphasen Holz und Feuer, den äußeren Aspekten eines Dinges, den Himmel und Funktionales.
Akupunktur und Moxibustion
Das chinesische Wort für Akupunktur besteht aus zwei Teilworten, die die Hauptanwendung der Akupunktur beschreiben, nämlich dem Einstechen der Nadel in die Akupunkturpunkte und dem Erwärmen der Punkte, was als Moxibustion bezeichnet wird. Man nimmt die Existenz von 361 Aku-punkturpunkten an, die auf den Meridianen angeordnet sind. Demnach gibt es zwölf Hauptmeridiane, die jeweils spiegelverkehrt auf beiden Körperseiten paarig angelegt sind, acht Extrameridiane und eine Reihe von so genannten Extrapunkten. Nach Meinung der Anhänger der Traditionellen Chinesischen Medizin wird durch das Einstechen der Nadeln der Fluss des Qi beeinflusst. Noch älter als die Akupunktur ist die Akupressur. Hier werden die Punkte mit Hilfe der Fingerkuppen massiert.
Tuina-Massage
Tuina oder Tuina-Anmo ist die manuelle Therapie. Aus westlicher Sicht handelt es sich um eine Mischung aus Elementen der Chiropraktik, der Akupressur und verschiedener Massagetechniken. Tuina setzt sich zusammen aus den chinesischen Wörtern tui (schieben, drücken) und na (greifen, ziehen), weil diese manuellen Techniken bei der Behandlung angewandt werden. Mit Tuina sollen Blockaden der Meridiane aufgelöst und der Energiefluss gefördert, aber auch Organe beeinflusst werden. Bei der Behandlung werden teilweise andere Meridiane berührt als bei der Akupunktur. Die Methode wird in der TCM auch zur Vorbeugung gegen Krankheiten empfohlen.
Phytotherapie und Ernährung
Die Phytotherapie verwendet Heilpflanzen als Medikament. Dabei werden entweder ganze Pflanzen oder auch nur der Teile wie Blüten, Blätter oder Wurzeln verwendet, die auf verschiedene Weisen wie als Frischkraut, Auf-guss oder Kalt-was-serauszug zubereitet werden.
Die Ernährung nach den 5 Elementen ist die Übertragung der chinesischen Ernährunglehre auf die in westlichen Ländern übliche Ernährung und die dort verbreiteten Lebensmittel. Ihren Namen hat sie von den fünf Elementen erhalten: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.
Grundlage der Ernährungslehre sind wie in der TCM insgesamt die Vorstellungen von Yin und Yang, wonach die Lebensmittel eingeteilt werden. Yin-Lebensmittel sind zum Beispiel viele Obstsorten, Gurken, Tomaten, schwarzer Tee und Milch. Als Yang gelten u.a. Trockenobst, Fenchel, Lauch, Gewürze, Fleisch und Fisch. Es gibt auch eine Gruppe neutraler Nahrungsmittel wie Kohl, , Hülsenfrüchte oder Getreide.
Parallel werden die Lebensmittel auch noch in fünf Gruppen nach den Elementen eingeteilt:
Dem Element Holz entspricht der saure Geschmack wie bei Essig, Tomaten, Weizen und Huhn. Dem Element Feuer wird der bittere Geschmack zugeordnet wie bei Rote Beete, Rucola, Roggen und Schafskäse. Dem Element Erde entspricht der süße Geschmack wie bei Kartoffeln, Mais, Butter, Eier, Rindfleisch und Karotten. Zum Element Metall gehören der scharfe Geschmack wie bei Zwiebeln, Senf und Gänsebraten. Dem Element Wasser wird der salzige Geschmack zugeordnet wie bei Fisch, Hülsenfrüchten, Oliven und Wasser.
Qigong und Taijiquan
Qigong ist eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist. Auch Kampfkunst-Übungen werden darunter verstanden. Zur Praxis gehören Atemübungen, Körper- und Bewe-gungsübungen, Kon-zen-trationsübungen und Me-ditationsübungen. Die Übungen sollen nach Überzeugung ihrer Anhänger der Anreicherung und Harmonisierung des Qi dienen. Allen Übungsformen gemeinsam ist es, die Präsenz im gegenwärtigen Moment zu stärken, den eigenen Qifluss wahrzunehmen und ihn sich in ein dynamisches Gleichgewicht wandeln zu lassen.
Das Taijiquan oder Tai Chi oder auch chinesisches Schattenboxen ist eine im Kaiserreich China entwickelte innere Kampfkunst. Über den Aspekt als Kampfkunst und Selbstverteidigung hinaus wird Taijiquan häufig als allgemeines System der Bewegungslehre oder als Gymnastik betrachtet, das einerseits der Gesundheit sehr förderlich ist, andererseits der Persönlichkeitsentwicklung und der Meditation dienen kann. In den verschiedenen Stilen und Schulen werden verschiedene Basisübungen praktiziert. Häufig werden dabei Übungen aus Systemen des Qigong verwendet, die auf das Praktizieren des Taijiquan vorbereiten. Im Zentrum des Übens von Taijiquan steht meistens eine so genannte Form, ein klar umschriebener Bewegungsablauf aufeinanderfolgender, meist fließender Bewegungen. Eine Form setzt sich aus mehreren Bildern bzw. Einzelbewegungen zusammen. Die Ausführung der Form kann von wenigen Minuten bis zu eineinhalb Stunden dauern, je nach Anzahl der Bilder und Geschwindigkeit der Ausführung.
Stärkung der Lebensenergie
Die Traditionelle Chinesische Medizin in der Praxis
Erschienen in KGS Ausgabe Juli 2005
In unserer letzten Ausgabe hat Bernd Monecke die Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin erläutert. Um die Praxis kennenzulernen, hat Haidrun Schäfer eine Behandlungsabfolge mitgemacht und schildert den Ablauf und ihre Eindrücke.
Erstanamnese
Um zu Bernd Monecke in seiner Praxis am Bambusgarten zu gelangen, passiert man tatsächlich einen mit Bambushecken geschmückten kleinen Hof am Prenzlauer Berg. Auf der einen Seite gedeiht ein kleiner Kräutergarten und die andere Seite ziert ein hübscher Zengarten. Die Praxis selber wurde sehr ästhetisch und ansprechend unter Gesichtspunkten des kinesiologischen Raumdesigns gestaltet, das Elisabeth Jaskolla entwickelt hat. Ich habe einen Termin für die Erstanamnese. Mein Ziel ist es, meine Lebensenergie und auch das Erdelement mit der Magen-Milz-Ebene zu stärken. Zwei Stunden lang geht es um meine individuellen Krankheitssymptome, um emotionale und soziale Verhaltensweisen sowie deren Entstehung. Abschließend betrachtet Bernd meine Zunge im Hinblick auf Form, Farbe und Beschaffenheit des Belages. Die Pulse nimmt er über die radialen Arterien beider Handgelenke an jeweils drei Positionen. Diese sind u.a. den Leitbahnen und deren Organen zugeordnet. Es gibt über 28 verschiedene Pulsqualitäten, die spezifische Hinweise auf den Zustand des Patienten geben. Zum Schluss vereinbaren wir einen zweiten Termin, an dem ein längeres Beratungsgespräch mit Ernährungstipps, der Verordnung einer speziellen Teemischung und einer ersten Akupunkturbehandlung stattfinden wird.
2. Sitzung – Diagnose
Auf konstitutioneller Ebene habe ich einen Leber-Qi-Stau. Das Leber-Qi ist u.a. für den freien Fluss der Emotionen zuständig. Ziel einer TCM-Behandlung ist u.a. ein natürlicher Umgang mit Emotionen, d.h. sie sollten weder zurückgehalten oder aufgestaut werden noch sollte man sich in sie hineinsteigern. Im besten Falle werden Emotionen einfach gelebt, wenn sie auftauchen, ohne sie zu bewerten. So hat z.B. Trauer einen erleichternden und Wut einen erlösenden Charakter. Auf der psychosomatischen Ebene haben meine Stressträume einen Zusammenhang zu dem Leber-Qi-Stau. Hun ist der seelische Aspekt der Leber und ist für die Träume mitverantwortlich. In der Nacht geht das Hun auf Wanderschaft und wenn man zuviel träumt, dann ist das Hun zu aktiv. Weitere Diagnosepunkte sind eine Anlage zu einer Milz-Yang-Schwäche, eine Nieren-Yang-Schwäche und zu viel Feuchtigkeit im Körper. Hauptansatzpunkt der Behandlung ist, die Feuchtigkeit auszuleiten, den Leber-Qi-Stau zu lösen und die Milz zu stärken. Dazu setzt Bernd drei Nadeln, die 20 Minuten ihre Wirkung entfalten können. In den ersten Minuten genieße ich zusätzlich die unterschiedlichen Klänge der Klangschalen, die Bernd auf mein Herz und meinen Bauch stellt. Er setzt sie zur Unterstützung ein, um mich schnell in tiefe Entspannungsebenen zu führen. Alles fließt und ich lausche der Lebendigkeit meines Körpers.
Ernährungsrichtlinien der TCM
Die zweite Sitzung beinhaltet außerdem spezielle Ernährungstipps für meinen persönlichen Fall. Die chinesische Ernährungslehre richtet sich nach dem Temperatur- und Geschmacksverhalten von Nahrungsmitteln sowie ihrer energetischen Wirkungen. Allgemein lässt sich zur Ernährung nach der TCM sagen, dass es nicht nur wichtig ist, was man isst, sondern auch wie man isst. Dabei wird auf Regelmäßigkeit, Ruhe und gründliches Kauverhalten Wert gelegt. Ein Grundsatz ist, dass die fünf Hauptgeschmacksrichtungen, die auch den fünf Elementen zugeordnet sind, bei den Mahlzeiten in ausgeglichenem Maß vertreten sind: bitter, scharf, süß, salzig und sauer. Da ich zu viel Feuchtigkeit im Körper angesammelt habe, sollte ich leicht scharf essen: Ingwer und Pfeffer, Chili dagegen ist zu scharf. Empfohlen werden drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Da Magen und Milz für die Verdauung zuständig sind und ihre Hauptaktivitätszeiten zwischen 7 und 9 bzw. 9 und 11 Uhr liegen, sollte man die Hauptmahlzeit morgens zu sich nehmen, mittags eine mittlere Mahlzeit und abends eher wenig. Bei jedem Essen sollte gekochtes Getreide dabei sein: morgens Hirse, Maisgries oder Reis mit Nüssen oder gedünstetem Obst, allerdings heimisches Obst und keine Südfrüchte, weil die zu kalt wirken. Frisches Obst und Salat oder Sprossen sollte man nicht zu viel essen und vor allem nach dem warmen Anteil, weil Rohes schwerer zu verdauen ist. Über das warme Getreide wird Magen und Milz gewärmt und so zur Verdauung optimal vorbereitet. Mittags sollte die Mahlzeit zur einen Hälfte aus gekochtem Getreide bestehen und zur anderen aus gekochtem Gemüse, das am besten gelb, rund und süß ist, denn das stärkt die Milz besonders: Möhren, Kohlrüben oder Kürbis. Abends sollte man wenig und nicht nach 19 Uhr essen, am besten Suppen und leicht verdauliche Speisen. Zu meiden sind zu viel Süßigkeiten, zu viel Milchprodukte und zu viel Brot, weil alle zu viel Feuchtigkeit produzieren, was die Milz schwächt. Gekochtes Getreide ist besser zu verdauen als gebackenes Getreide und leichtes, trockenes Brot ist besser als schwere Vollkornbrote. Zu meiden sind auch Alkohol und alle extremen Geschmacksrichtungen: zu süß mit Süßigkeiten oder Honig, zu bitter mit zu viel Kaffee oder zu sauer auch bei zu viel Südfrüchten. Fleisch wird in geringen Mengen 2-3mal in der Woche empfohlen – als Ersatz Tofu, um Eiweiße zu sich zu nehmen. Je nach Konstitution werden bestimmte Fleischsorten ausgesucht. Zusätzlich zu persönlichen Ernährungstipps erhalte ich eine Kräuterteemischung aus sieben verschiedenen westlichen Kräutern, die nach energetischen Kriterien der TCM zusammengestellt ist.
3. Sitzung
Zu Beginn der dritten Sitzung geht es um meinen aktuellen Zustand: Hat sich was verändert, gibt es körperliche Symptome, sind Emotionen aufgetaucht? Für die Akupunktur wählt Bernd wieder Punkte, die die Feuchtigkeit ausleiten, den Qi-Stau lösen und die Milz stärken. Die Behandlung betrifft sowohl die konstitutionelle Ebene als auch akute Beschwerden. Wieder empfinde ich die Klangschalen auf Herz und Bauch als sehr wohltuend.
Schüttel-Qigong
Bei dieser Sitzung zeigt Bernd mir eine Qigong-Übung. Ein Ziel von allen Qigong-Stilen besteht darin, eine innere Haltung des Nicht-Bewertens und der inneren Freude, Ruhe und Kraft zu entwickeln und nach und nach in den Alltag zu integrieren. Bernd unterrichtet den Chan-Mi-Qigong-Stil – das Wirbelsäulen-Qigong. Es ist ein schamanistisch-buddhistischer Stil, der über 3000 Jahre alt ist. Das Schüttel-Qigong kommt nicht aus dieser Tradition, sondern wird als Vorübung genutzt und eignet sich bestens, um meinen Qi-Stau zu lösen. Man stellt sich schulterbreit hin, geht leicht in die Knie, winkelt die Arme leicht an und beginnt, mit einem inneren Lächeln mit den Knien zu vibrieren, woraufhin der ganze Körper leicht mitvibriert und damit das Qi ins Fließen gebracht wird. Das dauert 5-10 Minuten und danach gibt es noch ein paar Bewegungen, um das Qi am Bauch zu zentrieren. Als Hausaufgabe soll ich jeden Morgen diese Übung machen. Für die Effektivität ist es viel besser, täglich 10 Minuten als einmal in der Woche zwei Stunden zu üben.
Der Gang zur Versöhnung
Um den Leber-Qi-Stau auf der emotionalen Ebene zu lösen, schenkt mir Bernd eine Übung, die nicht aus der TCM kommt, sondern beim Avatar-Training angewendet wird. Es ist der Gang zur Versöhnung. Es gibt verschiedene Themen für Gänge zur Versöhnung. Mein Gang soll sich mit Ärger und Ängsten beschäftigen. Für den Hinweg setze ich mir einen bestimmten Punkt als Ziel, auf den ich Schritt für Schritt zugehe. Bei jedem Schritt spreche ich etwas aus, was ich aus Ärger oder Angst getan habe oder unterlassen habe zu tun. Dabei geht es nicht nur um die großen Ereignisse, sondern auch um Kleinigkeiten: alles, wo ich Schuldgefühle oder einen Rechtfertigungsdrang habe. "Aus Ärger über meinen Sohn bin ich zu laut geworden." Während des Ganges ist es wichtig, die Emotion auch wirklich zu fühlen. Das kann insgesamt 10-20 Minuten dauern. Am Ziel angekommen, mache ich mir Gedanken über Zeitspannen: Wie fühlen sich drei Minuten an, eine Woche, fünf Monate, 20 Jahre? Das lässt Gras über die Sachen wachsen, die ich auf dem Hinweg angesprochen habe. Auf dem Rückweg spreche ich Segenswünsche für die einzelnen Personen, die auf dem Hinweg aufgetaucht sind und auch mir selber wünsche ich Glück und Wohlergehen. Wenn ich am Ziel angekommen bin, gibt es einen Moment der Ruhe. Die Übung dient dazu, Emotionen bewusster zu machen und auch, sie loszulassen. Sie wird bei Bedarf angewendet und ist ein schönes Werkzeug, Emotionen wahrzunehmen, ohne in ihnen gefangen zu bleiben.
4. Sitzung
Wieder beginnt der Termin mit einem Gespräch über meine aktuellen Symptome und Träume. Da mit der Akupunktur auch die unbewussten Ebenen angesprochen werden und Träume Aufschluss über den aktuellen Zustand geben, bezieht Bernd Themenschwerpunkte von Träumen in seine Diagnose mit ein. Diesmal stärken die Nadeln den Quellpunkt der Milzleitbahn und bringen zusätzlich mein Leber-Qi in Fluss. Statt mich zu entspannen, habe ich eine geniale Idee, wie ich meinen Lebenstraum von Südfrankreich mit meiner astrologischen Tätigkeit vereinbare...
5. Sitzung
Die Leber ist psychologisch zuständig für Pläne und die Gallenblase für Entscheidungen. Da Bernd viel auf dieser Ebene behandelt, kann es durchaus sein, dass sich Auswirkungen in verschiedenen Lebensbereichen zeigen. Beim Gespräch in der 5. Sitzung wird deutlich, dass zur Zeit in beruflicher Hinsicht mit immer mehr Horoskopaufträgen und neuen Projekten, die mir Freude machen, deutlich mehr Energie im Fluss ist – ich staune. Bernd möchte mit seiner Arbeit Impulse geben – jeder nimmt sie unterschiedlich auf und verwertet sie individuell. Ich scheine nach drei Akupunktursitzungen gerne die Möglichkeiten wahrzunehmen... Auch meine Konstitution hat sich verbessert – das bestätigen meine Pulse: Waren sie am Anfang kaum zu spüren, sind sie heute in allen drei Ebenen tastbar – ein tolles Ergebnis! Die Hausaufgaben für mich nach dieser Sitzung bestehen darin, das Erdelement und damit die Magen-Milz-Ebene auf psychologischer Ebene zu stärken: Den Alltag mit Ruhe und Achtsamkeit bewältigen – Kind, Haushalt, Mahlzeiten und Garten- bzw. Balkonarbeiten. Später lädt mich ein lauer Abend auf unseren Balkon zum Ginster beschneiden, fegen, wässern und bemuttern ein.
Wiegender Bambus
In dieser Sitzung zeigt mir Bernd eine weitere Qigong-Übung. Es ist eine der vier Basisbewegungen des Chan-Mi-Qigong-Stils, bei der man die Wirbelsäule lockert und stärkt, indem man sich wie Bambus im Wind wiegt und die Wirbelsäule in Wellenbewegungen in alle Richtungen bewegt. Am besten übt man sie nach dem Schüttel-Qigong. Generell sollte man sich Qigong-Übungen immer von einem Lehrer zeigen lassen, der die Feinheiten korrigieren kann.
Fazit
Der Behandlungsstil von Bernd Monecke geht – wie man sieht – über die klassischen Behandlungsmethoden der TCM hinaus. Sein Anliegen ist es, Menschen bei ihren individuellen Heilungsprozessen zu begleiten, tiefer liegende Emotionen bewusst zu machen, um so zu einer komplexeren Wahrnehmung seiner Selbst und gesteigerten Lebensfreude und Kraft zu gelangen. Ich bin überrascht, wie viel diese wenigen Sitzungen bei mir ausgelöst haben und freue mich auf die neuen Horoskopaufträge.